Zum Hauptinhalt springen

"Der Mythos Klosterweide"

Erinnerungen an eine legendäre Sportanlage und die Jahre vor der Vergründung des SV LiFa

Artikel vom 17. Januar 2026

Der Artikel wird präsentiert von:

     SV Lilienthal-Falkenberg - Eine kleine Chronik über das sportliche Leben in der Gemeinde Lilienthal -

    • Die Chronik verfasste und präsentiert Burkhard Wengorz

    Unser Titelbild zeigt Manfred Paul Kiehn, der ein Vierteljahundert im SV Lilienthal-Falkenberg mit Leideschaft das Vereinsleben nicht nur miterlebte - sondern auch als Vereinsvorsitzender geprägt hat. Heute ist er als Gebäudemanager für den SV LiFa verantwortlich und Vorsitzender in der Sportkonferenz.

    Er hat alle wichtigen Daten über die sportlichen Höhepunkte in der Gemeinde Lilienthal und den Vereinen zusammengetragen. In zahlreichen Ordnern in seinem Büro in der Mauersegler Straße ist das Vereinsleben geordnet und präsent. Und so erinnert sich Manfred Paul Kiehn noch gerne an die vielen Highlights in der Gemeinde Lilienthal.

    ********  

    Kurz vor dem Start in die Rückrunde 2025 / 2026 möchte die Homepage Redaktion noch einmal mit euch liebe Vereinsmitglieder im SV Lilienthal-Falkenberg eine Zeitreise durch die Gemeinde und den beiden Vereinen unternehmen. Dabei steht natürlich der Fußballsport im Blickpunkt und zeigt einige Stationen auf die längst vergessen sind.

    In diesem Rückblick gehen wir auf die Gemeinde Lilienthal, auf die beiden Stammvereine TV Lilienthal und TV Falkenberg und auf viele kleine und große sportliche Höhepunkte ein. Der TV Lilienthal als Männer Turnverein 1862 gegründet ist nun 164 Jahre alt. Der TV Falkenberg wurde 1905 gegründet und besteht nun seit 121 Jahren.

    Am 7. April 1992 wurden aus den beiden Fußballsparten der heutige SV Lilienthal-Falkenberg gegründet. Seit nunmehr 34 Jahren steht der Verein im NFV Bezirk Lüneburg und im NFV Kreis Osterholz für den Fußballsport ein. Doch die Entwicklung in diesem jüngsten Sportverein in der Gemeinde Lilienthal ist bekannt.

    Starten wir unsere Geschichte im Jahr 1945. Die damalige Militärregierung verfügte über eine Zusammenlegung der beiden Vereine in der Gemeinde Lilienthal. 1949 gehen aber beide Vereine wieder eigene Wege und bieten in dieser Zeit schon ein umfangreiches Sportprogramm für die Bürger und Bürgerinnen in der Gemeinde Lilienthal an.

    Die Ortsteile Falkenberg, Moorhausen, Trupe und Trupermoor gehörten zu Lilienthal. Nach der Gebietsreform 1929 kamen Lüningsee, Lüningshausen (beide Westerwede) sowie Feldhausen und Truperdeich dazu. Der Ortsteil Butendiek wurde von Bremen nach Niedersachsen in die Gemeinde Lilienthal ausgegliedert.

    1950 - Fußball im TVL -

    1950 gründete der TV Lilienthal eine neue Sportart im Verein an. Der Fußballsport stand im Mittelpunkt und zog die Massen an. Vier Jahre später wurde in der Schweiz die deutsche Nationalmannschaft Weltmeister. Und somit nahm der Fußballsport im TV Lilienthal weiter eine wichtige Rolle im Vereinsleben ein. Gespielt wurde auf dem Gelände von Nabertherm an der Bahnhofsstraße. Auch im TV Falkenberg machte der Fußballsport nicht halt. Und so wurde 1966 auch eine Fußballsparte gegründet.

    1955 - weitere Entwicklung beim TVL -

    1955 wurde auf dem Grundstück im Konventshof in Lilienthal die erste Sportwiese eingeweiht. Das Prunkstück war der Bau der ersten Turnhalle, die von den Mitgliedern der Fußballabteilung gebaut wurde. Und so entstand aus dem ehemaligen Hafen der Torfschiffer ein Sportfeld im TV Lilienthal. 1956 wurde die Eröffnung der neuen Sporthalle in der Gemeinde Lilienthal durch den neugewählten Bürgermeister Johann Meyerdierks eingeweiht.

    Betrübt waren 1954 die Bürger und Bürgerinnen auch über die Einstellung der Kleinbahn „Jan Reiners“. Im Mai 1965 erlebte das kleine Bundesland aus dem Norden eine große Fußball Sensation.

    1964 - Die Sportanlage Klosterweide wurde eingeweiht -

    1964 wurde dann in der Klosterweide die neue Sportanlage eingeweiht. Ein großzügiges Sportfeld mit einem Hausmeisterhaus, Umkleidekabinen, Duschen, Toiletten und einer Schiedsrichterkabine standen nun für die Fußballer zur Verfügung. Nach der Gründung der Fußballabteilung im TVF teilten sich beide Fußballsparten den Sportplatz.

    Als Werder Bremen 1965 deutscher Meister wurde -

    Werder Bremen wurde 1965 deutscher Bundesligameister. Der Boom war groß und die 1.Herren Mannschaft des TV Lilienthal holte sich in diesem Jahr im damaligen Bezirk Stade die Bezirksmeisterschaft.

    Einer der ersten Höhepunkte auf der Sportanlage Klosterweide war 1969 ein internationales Faustball- und Handballturnier. 1975 feierte die Fußballabteilung sein 25.jähriges Jubiläum. Neben Jugendturnieren und Freundschaftsspielen kam die Meistermannschaft von Werder Bremen zu einem Freundschaftsspiel.

    Handballer organisierten ein internationales Turnier -

    1977 feierte die Handballabteilung ihr 10.jähriges Vereinsjubiläum und richtete auf der Klosterweide ein internationales Handballturnier mit Vereinen aus dem Bundesgebiet, Dänemark, Holland und der Schweiz aus.

    Als "Schimi" Trainer beim TVL wurde -

    Fußball wurde natürlich auch weitergespielt. In den 1970 Jahren kam Helmut Schimeczek zum TV Lilienthal und brachte die 1.Herren von der Kreisklasse bis zur damaligen Bezirksoberliga (heute Landesliga). Der gebürtige Berliner Helmut Schimeczek gehörte zur Werder Mannschaft, die 1961 Pokalsieger und 1965 deutscher Meister wurde. Man war überrascht, das Schimeczek zum TVL in die Kreisklasse kam. Zuvor war er noch Trainer bei der TSR Olympia Wilhelmshaven, die in der damaligen Oberliga Nord spielten. 

    Einer der Höhepunkte war am 1. August 1977 das Spiel gegen die Uwe Seeler Prominentenauswahl. 3000 Zuschauer erlebten auf der Klosterweide dieses Freundschaftsspiel.

    Erstmals LIFA Gewerbeschau in Lilienthal -

    1985 wurden die Bürger und Bürgerinnen in der Gemeinde Lilienthal mit der Bezeichnung „LIFA“ konfrontiert. Erstmals wurde im Bereich Schoofmoor eine Gewerbeschau organisiert. Nach 43 Jahren war die Sportanlage Klosterweide Geschichte.

    Das Projekt Klosterweide nahm Formen an und es entstand ein neues Baugebiet. 1990 näherten sich die beiden Vereine im Bereich Fusion an. Es wurde die LG Wörpe gegründet und 1992 wurde das heutige Schoofmoorstadion mit der damaligen Bezeichnung Kampfbahn C eingeweiht.

    Jubiläumspartnerschaft mit erfolgreichen Turnierteilnahmen -

    Auch im Bereich der Partnerschaft wurde 1991 groß gefeiert. Die beiden Arbeitsgruppen aus Lilienthal und Stadskanaal feierten ihr 20.jähriges Jubiläum. Und so wurden erstmals Jugendmannschaften in den Altersklassen der A, B und C Jugend aus beiden Fußballsparten gegründet.

    Der Erfolg in Stadskanaal war groß und alle drei Jugendmannschaften, die als „Gemeindeauswahl“ aufliefen siegten bei diesen Turnieren. Mit dabei waren die Partnergemeinden Emerainville (Frankreich) und Bielsko Biala (Polen.

    Die Vereine AS Emerainville (Frankreich), BKS Stal Bielsko Biala (Polen) sowie die Vereine VV Musselkanaal, Onstwedder Boys, Seta, Juliana, und SPW aus der Gemeinde Stadskanaal beteiligten sich an diesen Turnieren.

    Und so gab es besonders in den beiden Jugendabteilungen des TVL und TVF Überlegungen eine gemeinsame Jugendspielgemeinschaft zu gründen. 

    NDR Aktion "sauberes Lilienthal" -

    Auch 1996 gab es bei den Vereinen in der Gemeinde Lilienthal eine gemeinsame Zusammenarbeit. Nach dem Aufruf im NDR veranstalteten die Vereine die Aktion „sauberes Lilienthal“. Noch heute gibt es diese Aktion als „Umwelttag“ und bringt die Vereine über die Sportkonferenz zusammen.

    Unser Kreis mit den vielen Jahreszahlen schließt sich mit der Platzeinweihung 2007 der heutigen Sportanlage Am Sportpark in der Mauersegler Straße 1.

     Fußball in der Klosterweide -

    Doch noch einmal zurück zum Mythos Klosterweide im Ortsteil Moorhausen in der Gemeinde Lilienthal. 1964 feierte die neue Sportstätte ihre Eröffnung, die unter dem Namen „Klosterweide“ legendär im Kreis Osterholz werden sollte. Im Grunde handelte es sich um eine ehemalige Wiese, die man mit einem Zaun umgeben hatte und von den anliegenden Bauern für ihre Tierhaltung genutzt wurde. 

    Der Fußballsport im TV Lilienthal boomte in dieser Zeit und so erlebte man bereits ein Jahr später die Meisterschaft der 1.Herren mit der Bezirksmeisterschaft. Die geschlossene Sportanlage mit einem Hausmeister- und Umkleidetrakt sorgte für eine einzigartige Atmosphäre und war den Vereinen aus dem Kreisgebiet Osterholz um Längen voraus, denn nirgendwo anders waren die Fans so nah an den Spielern und dem Spielgeschehen als dort.

    Die Klosterweide tat das, was einen echten Mythos ausmacht. Legendär waren auch die Spiele in der Saison 75 / 76 der TVL A Jugend, die in der Verbandsliga Nord gegen Vereine wie Atlas Delmenhorst, Olympia Wilhelmshaven, VfB Oldenburg oder BV Cloppenburg spielten.

    1977 - Uwe Seeler Prominentenelf in Lilienthal -

    Doch in der Chronik darf der 2. August 1977 nicht fehlen. Vor dem Saisonstart begrüßte die 1.Herren Mannschaft des TV Lilienthal zum letzten Vorbereitungsspiel die Uwe Seeler Prominentenelf auf der Klosterweide.

    3000 Zuschauer pilgerten zum damaligen Fußbaltempel Klosterweide, die von den vielen Vereinsmitgliedern herausgeputzt wurde. 7:3 stand es am Ende dieser Partie für das Team um Uwe Seeler. Es war für die Gemeinde Lilienthal das bis dahin größte Fußballfest was man in der beschaulichen niedersächsischen Gemeinde vor den Stadttoren Bremen erleben durfte.  

    12 Fußballlegenden und ein Olympiasieger zu Gast auf der Klosterweide -

    Insgesamt 12 ehemalige Bundesligaprofis gehörten neben dem Olympiasieger im Zehnkampf von Rom zum Aufgebot um Uwe Seeler. Hans Schulz (heute 84 Jahre / u.a. Werder, HSV, Düsseldorf), Helmut Schimeczek (heute 88 Jahre / Werder) und Bernd Sandmann (heute 82 Jahre / HSV) leben noch.

    Als Schiedsrichter fungierte Martin Jente (gestorben 1996). Martin Jente war ein Fernsehproduzent und wurde in der Rolle als Butler in der Fernsehshow EWG bekannt. Mit dabei auch Dagmar Berghoff (heute 83 Jahre). Dagmar Berghoff war die erste weibliche Tagesschaumodederaterin im Fernsehen. Sie übernahm den Anstoß zu diesem Testspiel. Und Filmregisseur Jürgen Roland Schellack (so sein richtiger Name) kommentierte das Freundschaftsspiel. 

    Die weiteren Spieler waren Arnold Schütz (gest. 2015 / Werder), Max Lorenz (2025 / Werder, Eintracht Braunschweig), Horst Podlasly (2007 / Hannover 96), Willi Giesemann (2024 / HSV, Bayern München), Peter Kaak (2025 / Eintracht Braunschweig), Horst Szymaniak (2000 / Tasmania Berlin, div. Vereine in Italien), Willi Holdorf (2020 / Olympiasieger und Verbandstrainer in Schleswig Holstein), Rudi Assauer (2019 / Werder, Borrussia Dortmund), Gerd Zebrowski (2020 / Werder) und Uwe Seeler (2022 / HSV) weilen nicht mehr unter uns.

    Inzwischen entstand auf dem ehemaligen Sportgelände der Klosterweide eine Wohnsiedlung. Leider erinnert keine Gedenktafel an die Sportanlage Klosterweide, der sportlichen Heimat der Fußballer im TVL und TVF mehr an diese Zeit.

    Doch die emotionale Verbindung vieler Fußballer und Fans bleibt für immer bestehen.